Stellungnahme zum Antrag auf Bau weiterer Wasserwerke

Die Wasserförderung ist ein „Dauerbrenner“ in der örtlichen Politik. Jetzt hat die SPD-Ratsfraktion einen Antrag formuliert, nach dem der Bau weiterer Wasserwerke durch den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) geprüft werden soll, um das Wasserwerk in Fladderlohausen zu entlasten. Dazu dokumentieren wir im Folgenden die Position der Interessengemeinschaft Holdorf (IGeHo):

Andreas Lucht, Fraktionsvorsitzender: „Zum fairen Umgang miteinander gehört für die IGeHo, dass wir Anträge anderer Fraktionen vorbehaltsfrei prüfen und mittragen, wenn wir sie für sinnvoll halten. Deshalb können wir dem Wunsch nach Bau weiterer Wasserwerke viel abgewinnen. Dass die SPD, die das Thema im Rat seit Jahrzehnten begleitet, ihn erst jetzt im Wahlkampf platziert, kommt spät, macht die Idee aber nicht schlechter.

Andreas Lucht
Andreas Lucht

Ob und wo solche Wasserwerke sinnvoll sind, muss der OOWV prüfen. Er hat die Fachkompetenz und ist dafür vor allem auch verantwortlich. Herr Krug, als Bürgermeister und OOWV-Vorstandsmitglied in einer Doppelfunktion, hat den OOWV selbst als Dienstleister bezeichnet. Ein solcher Dienstleister sollte nicht die Holdorferinnen und Holdorfern auffordern, zu sagen, wo zusätzliches Wasser herkommen soll, sondern sollte diese lange bekannte Herausforderung selbst angehen und lösen.

Holdorf liefert seit langem deutlich mehr Wasser für die Allgemeinheit als jede andere Kommune im Landkreis. Die dadurch entstandenen Nachteile müssen ausgeglichen werden. Das betrifft zum einen die Ökologie, konkret den Baumbestand, dessen Schädigungen jeder sich vor allem in Fladderlohausen und Grandorf anschauen kann. Zum anderen hatte und hat unsere Landwirtschaft Einbußen, die erst seit 2013 und erst nach und nach durch den OOWV entschädigt werden.

Unterm Strich werde ich den SPD-Antrag unterstützen und das auch der IGeHo-Ratsfraktion vorschlagen. Noch offen ist für mich, wie Rainer Deters als SPD-Ortsvereins-Vorsitzender diesen sehr berechtigten Antrag und seine Befürwortung des Interkommunalen Gewerbegebiets BaDiHo, das hohe Wasserressourcen verbrauchen würde, miteinander in Einklang bringen möchte.“

Bürgermeisterkandidat Ingo Mersmann:

„Wasser ist unsere wichtigste Lebensgrundlage. Deshalb ist es richtig, dass der Schutz des Grundwassers jetzt neu thematisiert wird. Mir ist zuletzt bei der IGeHo-Radtour am 11. Juli deutlich geworden, wie dieses Thema Holdorferinnen und Holdorfer umtreibt.

Holdorf trägt seit Jahrzehnten eine hohe Belastung durch die Wasserförderung. Bereits seit 1968 fördert der OOWV hier Wasser. Seit rund 20 Jahren wird intensiv über die Fördermengen diskutiert. Nachdem ursprünglich eine Erhöhung auf 5,5 Millionen Kubikmeter vorgesehen war, konnte die genehmigte Fördermenge – auch durch den Einsatz einer Interessengemeinschaft – 2013 auf 4,5 Millionen Kubikmeter reduziert werden.

Ingo Mersmann
Ingo Mersmann

Trotzdem gehört das Wasserwerk weiter zu den am stärksten beanspruchten Standorten im südlichen Verbandsgebiet. Etwaige Hoffnungen, Herrn Dr. Krugs Tätigkeit im OOWV-Vorstand würde hieran etwas verbessern, haben sich aus meiner Sicht nicht erfüllt.

Die Folgen sind spürbar: sinkende Grundwasserstände, Belastungen für Landwirtschaft und Natur – zwischen 2019 und 2023 entstanden der Landwirtschaft Ertragseinbußen von rund 1,3 Millionen Euro, die erst nach Gerichtsentscheiden langsam ausgeglichen werden! – sowie zusätzliche Herausforderungen durch den Klimawandel.

Insofern kann ich bei vielen Punkten aus dem Antrag der SPD gut mitgehen. Aber es muss weitere Entlastung her. Diskutieren könnte man über Sanierung und Reaktivierung älterer Wasserwerke, um die Wasserförderung besser zu verteilen, Einspeisung von Wasser aus Pumpstellen, die zur Vermeidung von Bauschäden Grundwasser absenken, eine stärkere Einbindung der Fernwasserleitung der Harzwasserwerke (Nöse-NORD 2), die Umsetzung von Konzepten nach dem Vorbild der Schwammstadt zur Speicherung und Nutzung von Regenwasser, die Prüfung innovativer Technologien wie atmosphärischer Wassergeneratoren als ergänzende Wasserquelle, klimaresiliente Gestaltung öffentlicher Flächen, beispielsweise durch Sandbeete und weitere Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität.
Wasserpolitik muss langfristig gedacht werden. Wer Holdorf nachhaltig entwickeln will, muss heute die richtigen Entscheidungen treffen, damit auch kommende Generationen über ausreichend und sauberes Wasser verfügen.“

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