B-Pläne statt Zonenkonzept

Eine systematische Überarbeitung der Bebauungspläne (B-Pläne) für die Gemeinde Holdorf fordert die Interessengemeinschaft Holdorf (IGeHo). „B-Pläne sind laut Baugesetzbuuch das zentrale Instrument der Bauleitplanung und damit das wichtigste Werkzeug, das eine Gemeinde für die Gestaltung ihrer Zukunft hat“, sagt IGeHo-Fraktionsvorsitzender Andreas Lucht, „es ist deshalb völlig unverständlich, dass Holdorf dieses Instrument nicht nutzt und stattdessen weiter viel Geld und Arbeit in ein rechtlich unverbindliches Zonenkonzept investiert.“

Anlass für diese Einordnung der IGeHo ist eine Einwohnerinnen- und Einwohnerversammlung am Donnerstag, 9. April. An diesem Termin sind Lucht und sein Vertreter Thomas Deters verhindert und hatten dies dem Bürgermeister vor der Terminwahl rechtzeitig mitgeteilt. Umso wichtiger ist der IGeHo, ihre Position trotzdem darzustellen.

Ein neu errichtetes Fachwerkgebäude, davor ein gepflasterter Hof.
Im Bürgerhaus findet die Einwohnerversammlung statt.

Acht Jahre nach Einführung des Zonenkonzeptes steht aus IGeHo-Sicht fest, dass dieses sein Ziel verfehlt hat. „Wenn das Zonenkonzept so sinnvoll wäre, wie oft behauptet, würden es auch andere Kommunen anwenden. Ich kenne allerdings keine außer Holdorf, die das tut“, sagt Lucht. Die IGeHo fordert daher ein Umsteuern hin zu verlässlichen, zeitgemäßen Bebauungsplänen.

Lucht bringt die Kritik auf den Punkt: „Das Zonenkonzept war gut gemeint, aber es hat nicht funktioniert. Es liefert keine verbindlichen Regeln und schafft damit mehr Unsicherheit als Klarheit.“ Bauentscheidungen würden weiterhin im Einzelfall getroffen und Bürgerinnen und Bürger dadurch mit widersprüchlichen Bewertungen konfrontiert: „Vergleichbare Grundstücke werden unterschiedlich behandelt. Das führt zu Unzufriedenheit und fördert Streit in den Nachbarschaften.“

Ein zentraler Kritikpunkt der IGeHo: Viele Bebauungspläne in Holdorf sind veraltet und bilden moderne Anforderungen nicht mehr ab. Sergej Belz, beratendes Fraktionsmitglied, erläutert: „Wir haben Bebauungspläne aus den 70-er- und 8-0er‑Jahren, die bis heute gelten. Dort steht nichts über Begrenzung der Wohneinheiten, nichts über Klimaschutz, nichts über aktuelle Wohnformen.“ Statt diese Pläne zu modernisieren, sei das Zonenkonzept als Ersatzkonstruktion genutzt worden. „Das Zonenkonzept überdeckt nur die Probleme. Es verhindert, dass wir die notwendigen Erneuerungen anpacken“, sagt Belz. Die Folge sei eine Art „Planungsstau“, der über Jahre gewachsen sei und inzwischen erhebliche Kosten und Arbeitsaufwand verursache.

Außerdem sei das Zonenkonzept im Laufe der Jahre immer komplizierter geworden. „Jede Fortschreibung brachte neue Ausnahmen und Sonderregeln. Das ist das Gegenteil dessen, was wir eigentlich brauchen: Statt vereinfachen wird verkompliziert“, sagt Lucht. Während auf Bundesebene Verfahren beschleunigt werden sollen, würden sie in Holdorf schwerfälliger.

Das wirke sich auch gravierend auf den Wohnungsmarkt aus, erklärt Belz: „Indem man Wohneinheiten an die Grundstücksgröße koppelt, begrenzt man künstlich den Wohnraum. Das führt dazu, dass auf großen Flächen wenige Wohnungen entstehen.“ Der Pro-Kopf-Flächenverbrauch liege dadurch nach Einschätzung der Fraktion bei rund 70 Quadratmetern je Einwohner – ein Wert, der angesichts steigender Nachfrage nach Wohnraum kaum vertretbar sei. „Effiziente Nachverdichtung wird behindert. Statt im Ortskern neuen Wohnraum zu ermöglichen, wächst der Druck, Neubaugebiete am Rand auszuweisen – mit mehr Flächenverbrauch und mehr Versiegelung“, ergänzt Lucht.

Für die Fraktion ist klar: Eine nachhaltige Ortsentwicklung gelingt nur mit verbindlichen, modernen Bebauungsplänen. Lucht fordert: „Wir brauchen klare Rahmenbedingungen, die für alle gelten. Nur verbindliche Bebauungspläne schaffen Rechtssicherheit und Fairness.“ Belz ergänzt: „Dort können wir regeln, was wirklich zählt: Wohneinheiten, Gestaltung, Klimaschutz, Regenwassermanagement und Mobilität. Das Zonenkonzept kann all das nicht leisten.“

Deshalb schlägt die IGeHo ein strukturiertes Vorgehen vor: Erfassung aller Bebauungspläne, Priorisierung und schrittweise Modernisierung. „Wir wollen eine nachvollziehbare, faire und zukunftsfähige Entwicklung für Holdorf – ohne überflüssige Komplexität, aber mit klaren Regeln“, sagt Lucht. Die IGeHo stehe für die Diskussion darüber unabhängig von der Einwohnerversammlung den Bürgerinnen und Bürgern ebenso zur Verfügung wie den anderen Ratsfraktionen. (AL)

Veröffentlicht am
Kategorisiert als Neues